Nutzen einer Deckungsbeitragsrechnung

Dieser Artikel ist der Fachzeitschrift g'plus in der Ausgabe 2/2024 erschienen. Autor: Pius Schöpfer

Einige Unternehmer haben sich bereits mit der Frage auseinandergesetzt, ab welcher Stundenzahl der Einsatz einer Maschine wirtschaftlich sinnvoll ist. Oder wie soll ich nachkalkulieren? Oder soll ich nun den Sitzplatz von Familie Huber oder die Gartenumänderung vom Familie Meier ausführen? Beide Aufträge können aufgrund des zu knappen Personalbestandes nicht ausgeführt werden. Die Deckungsbeitragsrechnung gibt aus betriebswirtschaftlicher Sicht klare Antworten auf die Fragen.

Der Auftrag mit dem grösseren Deckungsbeitrag ist auszuführen. Dies hört sich einfach an. Ist es auch. Doch was ist ein Deckungsbeitrag?

Das betriebliche Rechnungswesen kennt verschiedene Kostenrechnungsverfahren. Neben Vollkostenrechnungen (Vollkostenkalkulationen) existieren auch verschiedene Teilkostenrechnungen. Am bekanntesten ist die Deckungsbeitragsrechnung (Db-Rechnung). Vollkostenrechnungen basieren auf der Trennung von Einzel- und Gemeinkosten. Die Deckungsbeitragsrechnung unterscheidet zwischen fixen und variablen Kosten.

In der Deckungsbeitragsrechnung haben Fixkosten kurzfristig keine direkte Auswirkung auf die Entscheidungen bezüglich Preis oder Produktionsmenge. Die Entscheidungen basieren auf den variablen Kosten. Fixkosten beeinflussen jedoch langfristig die Rentabilität, da höhere Produktionsmengen benötigt werden, um die Kosten abzudecken und einen Gewinn zu erzielen. 

berechnung des deckungsbeitrags

Für eine Deckungsbeitragsrechung brauchen wir zwei Werte. Den Erlös und die variablen Kosten. Diese können auf eine Leistungseinheit (Stück, Stunde) oder auf einen grösseren Bereich (einzelner Auftrag, Tätigkeitssparten wie Wasserbau oder Gartenpflege oder sogar ganzer Betrieb) bezogen sein.

Erlös - variable Kosten = Deckungsbeitrag

Die Summe aller Deckungsbeiträge dient zur Deckung der fixen Kosten. Daher stammt auch dessen Namen. Je höhere Deckungsbeiträge pro Auftrag erzielt werden, umso eher sind die fixen Kosten gedeckt. Wenn dies der Fall ist, entsteht Gewinn. Reichen die während eines Jahres erzielten Deckungsbeiträge nicht aus, um die fixen Kosten zu decken, erzielt das Unternehmen einen Verlust. 

vorteil einer deckungsbeitragsrechnung

Die Deckungsbeitragsrechnung liefert Daten für Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen des Unternehmens. Sie ermöglicht einen Rückblick, ist aber auch ein Instrument für die Zukunftsplanung.

So werden durch die Aufteilung in variable (proportionale) und fixe Teile schneller förderungswürdige oder zu streichende Produkte/Leistungen/Bereiche erkannt. Sie dient der strategischen Ausrichtung sowie der optimalen Angebotsgestaltung.

Beispiel 1 „Darstellung der Deckungsbeitragsmarge und des Erfolgsbeitrages“ veranschaulicht dies im Detail. Ein Betrieb hat drei verschiedene Tätigkeitsbereiche.

Aufgrund der beiden Kennzahlen (Deckungsbeitragsmarge und Erfolgsbeitrag) kann man erkennen, dass der Bereich B sehr ertragsstark ist und einen grossen Beitrag zur Deckung der Fixkosten bringt. Ein Umsatzeinbruch in diesem Bereich hätte für die Unternehmung markante, negative Auswirkungen. Im Weiteren zeigt die Zusammenstellung auch, dass der Bereich C gefördert werden sollte, da er ertragsstärker als der Bereich A ist. 

ab welcher stundenzahl rentiert eine maschine?

Diese Frage wird sehr häufig gestellt. Zur Berechnung benötigen wir die jährlichen Fixen Kosten (Anlagekosten) einer Maschine (Abschreibung, Kapitalverzinsung, Versicherung, Verkehrssteuern) und die Variablen Kosten (Betriebskosten). Zu den Betriebskosten gehören die Kosten für Unterhalt und Reparaturen, die Energiekosten oder auch Schmiermittel.

Beispiel 2 „Berechnung der Nutzschwelle“ zeigt die Berechnung der notwendigen Stundenzahl, ab welcher sich eine Anschaffung lohnt beziehungsweise der Raupenbagger rentiert. Im Beispiel sind dies 139,20 Stunden. Da der Raupenbagger aufgrund von Erfahrungen in den letzten Jahren jährlich immer über 180 Stunden im Einsatz stand, lohnt sich eine Anschaffung.

Mit Hilfe der Deckungsbeitragsrechnung lässt sich also die Nutzschwelle ermitteln. Weitere Ausdrücke für den gleichen Begriff sind Gewinnschwelle oder Break-even-point.

Die Nutzschwelle ist jener Punkt, bei welchem weder ein Gewinn noch ein Verlust entsteht. Das beigefügte Diagramm veranschaulicht die Sachverhalte. Es wird deutlich sichtbar, dass die Nutzschelle nicht nur von der Fixkostenhöhe, sondern insbesondere auch von der steigenden Kapazitätsauslastung und damit auch zunehmenden Deckungsbeitragssumme abhängt. Eine Erkenntnis, die bei der Erfolgsoptimierung in einem Garten- und Landschaftsbauunternehmen von besonderer Bedeutung ist.

Der Break-even-Punkt lässt sich wert- oder mengenmässig ermitteln. Bei einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb können dies der Mindestumsatz oder die Anzahl der verrechenbaren (produktiven) Stunden sein.

Beispiel 3 zeigt die Berechnung der notwendigen jährlichen verrechenbaren Stundenzahl sowie den Mindestumsatz des Unternehmens. Es müssen 16‘472 Stunden verrechnet werden können. Bezüglich des notwendigen Personals kann gesagt werden, dass somit 8 – 9 Personen (exklusive Verwaltung, Administration, Bauleitung) ganzjährig beschäftigt sein müssen.

Im Weiteren muss ein Umsatz von knapp 1,9 Mio. erzielt werden. Erst dann erreicht es die Gewinnschwelle. 

Begriffe

Einzelkosten: Kosten, welche sich direkt einer Leistung/einem Produkt zuordnen lassen (z.B. Materialeinkauf, Löhne Mitarbeiter auf Baustelle). Werden auch als direkte Kosten bezeichnet.

Gemeinkosten: Kosten, die nicht direkt einer Leistung geordnet werden können (z.B. Büro- und Verwaltungskosten, Zinsen). Weitere Bezeichnung: Indirekte Kosten.

Fixe Kosten: Gesamtbetrieblich betrachtet sind dies Kosten, welche sich innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes nicht verändern lassen (zum Beispiel Miete, Zinsen für Darlehen, Leasingaufwendungen).

Variable Kosten: Entstehen nur bei einer Leistungserstellung. Je mehr hergestellt oder produziert wird, desto höher fallen sie gesamtbetrieblich betrachtet aus. Sie werden deshalb auch proportionale Kosten genannt.  

nachkalkulation wird vereinfacht

Gerade in jüngerer Zeit ist festzustellen, dass die Nachkalkulation immer gefragter wird. Der sich abzeichnende härtere Konkurrenzkampf um Aufträge führt dazu, dass Unternehmer wissen wollen, ob ein Auftrag gewinnbringend war oder nicht. Mehr noch: Gerade gegenüber Kadermitarbeitern wie Bauführern will man die Nachkalkulation als Führungsmittel einsetzen. Und hier entstehen immer wieder Spannungen, weil die Kalkulationsgrundlagen (Zuschlagsätze) hinterfragt werden. Diese Spannungen werden bei der Anwendung einer Deckungsbetragsrechnung weitgehendst eliminiert. Der Bauführer kann in der Regel den Erlös einer Baustelle beeinflussen (zum Beispiel durch Gewährung von Rabatten). Gleiches gilt für die Höhe der Warenkosten. Wenn er sich die Mühe nimmt bei Lieferanten um bessere Konditionen nachzufragen, senkt dies den Wareneinkauf und erhöht den Deckungsbeitrag (siehe hierzu auch Nachkalkulationsbeispiel Familie Müller). Auch den Personaleinsatz auf der Baustelle kann der Bauführer beeinflussen. Ein gute Arbeitsorganisation und -planung senkt die notwendige Anzahl an Stunden. In einer solchen Deckungsbeitragsrechnung kommen nur Elemente zum Einsatz die ein Bauführer beeinflussen kann. Somit ist die Akzeptanz viel höher als bei einer klassischen Vollkostennachkalkulation. Zudem können seitens der Geschäftsleitung auch Vorgaben bezüglich der zu erzielenden Werte (zum Beispiel Deckungsbeitrag pro produktive Stunde) vorgenommen werden.

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